DIE METHODE
Atemtyp Tai Chi
Warum nur Tai Chi im eigenen Atemtyp zur inneren Kraft führt – und was das mit Sonne und Mond zu tun hat.
Was ist Atemtyp Tai Chi?
»Atemtyp Tai Chi« ist speziell insofern, als es vorab bestimmt, welcher Atemtyp jemand ist – erst dann macht es Sinn, bestimmte Atemmethoden einzusetzen. Es geht nicht um das Atmen als technische Bewegung, sondern darum, wie der Körper im Lauf der Lebensjahre von der jeweils starken Atemphase – entweder Ein- oder Ausatmen – geprägt wurde.
Wie Sonne und Mond
Diese Prägung bestimmt unsere Haltung, unsere Bewegung, unseren Energiefluss – und wie wir Tai Chi üben sollten.
Die zwei Atemtypen
Die beiden Atemtypen unterscheiden sich grundlegend in Haltung, Bewegung und Energiefluss:
Einatmer (lunar)
Als lunarer Einatmertyp brauchst Du die Fülle: Du füllst Brust und Rücken mit dem Einatmen und verweilst möglichst lange in diesem Zustand, weil er zu schweben scheint und glücklich macht – alles in Dir steigt nach oben. Deinem Ausatem schenkst Du kaum Beachtung, weil er von selbst geschieht; er darf keinesfalls so lang sein wie Dein Einatem.
Ausatmer (solar)
Als solarer Ausatmertyp brauchst Du die Leere: Du leerst Deine Lungen mit dem Ausatmen und gewinnst so die Weite und Sicherheit der Erde, über die sich Deine Energie unaufhaltsam ausbreitet und Dich verwurzelt. Dein Glücksgefühl liegt im »Runterkommen«. Deinen Einatem überlässt Du sich selbst, achtest aber darauf, dass er viel kürzer als Dein Ausatem ist.
Atemtyp und Körperhaltung
Jeder Atemtyp gewinnt seine innere Kraft nur durch seine starke Atemphase. Das wird sichtbar in der Körperhaltung, die unbewusst durch diese Phase geprägt wird:
Einatmer
Steht aufrecht, als würde er nach oben schweben
Ausatmer
Steht leicht nach vorn geneigt, der Abwärtsbewegung folgend
Diese unterschiedlichen Haltungen sind keine Fehler, die korrigiert werden müssen – sie sind der natürliche Ausdruck des jeweiligen Atemtyps und die Grundlage für typgerechtes Tai Chi.
Warum ist der Atemtyp so wichtig?
Erst Tai Chi im eigenen Atemtyp entwickelt den »richtigen« Atem und eröffnet den Zugang zu einer Atemmethode, die nach längerer Zeit der Übung in der »richtigen« Körperhaltung bewusst eingesetzt werden kann. Deswegen »Atemtyp Tai Chi«.
Die historische Verwirrung
In der Geschichte des Tai Chi gab es immer wieder unterschiedliche Lehrmeinungen über die »richtige« Haltung und Atmung. Manche Meister lehrten die aufrechte Haltung, andere die geneigte. Manche die Bauchatmung, andere die umgekehrte Atmung.
Die Erklärung ist einfach: Die Meister lehrten das, was für ihren eigenen Atemtyp richtig war – ohne zu wissen, dass es zwei verschiedene Typen gibt.
Meister Frieder Anders hat diese Zusammenhänge in über 20 Jahren erforscht und systematisiert. Atemtyp Tai Chi erklärt die historischen Unterschiede und stellt für jeden Typ die passende Variante bereit.
Terlusollogie – Die Wissenschaft dahinter
Meister Frieder Anders hat diese Erkenntnisse auf das Tai Chi übertragen und seit 2005 das Atemtyp Tai Chi entwickelt – eine wichtige Komponente, die von den alten Meistern lange unbewusst praktiziert wurde, aber erst von ihm bewusst erforscht und gelehrt wird.
Weiterführende Literatur: Frieder Anders: *Das Qi verwurzeln. Qigong und Atemtypen.* Kristkeitz 2020
Was bedeutet das für Deine Praxis?
Wenn Du Deinen Atemtyp kennst, verändert sich Deine gesamte Praxis:
Haltung
Du übst in der Haltung, die Deinem Typ entspricht – aufrecht oder geneigt
Atmung
Du nutzt die Atemphase, die Dich stärkt – Einatmen oder Ausatmen
Bewegung
Deine Bewegungen fließen natürlich, ohne inneren Widerstand
Kraft
Der Zugang zur inneren Kraft öffnet sich
Die Ergebnisse gehen weit über das Tai Chi hinaus und beeinflussen das gesamte Leben.
»Nichts unter dem Himmel ist so weich und schwach wie das Wasser, und doch ist es von keinem, das gegen Festes und Starkes anstürmt, zu schlagen.«
— Laozi
Lernen im eigenen Atemtyp
Hinweis: Die Videos zeigen beide Varianten nebeneinander, sodass Du den Unterschied erkennst und von Anfang an richtig übst.
Häufige Fragen zum Atemtyp
Welcher Atemtyp bist Du?
Finde es heraus – und beginne Deine Praxis im eigenen Atemtyp.